Verkehrsgeschichtliches aus Nordwestdeutschland
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Ostfriesische Küstenbahn (mit Nebenstrecken)

(Emden - Norden - Dornum - Esens - Sande - Wilhelmshaven)

Ursprünglich war die Eisenbahnstrecke Emden - Norden Bestandtteil der Ostfriesischen Küstenbahn zwischen Emden und Sande bei Wilhelmshaven. Der Streckenabschnitt zwischen Norden und Norddeich Mole wurde im Jahre 1892 ursprünglich als Stichstrecke erbaut, um den Fährhafen für die Inseln Norderney und Juist ans Schienennetz anzubinden. Diese Strecke erfreut sich heute wachsender Beliebtheit, sogar Fernverkehr gibt es bis zum Fähranleger in Norddeich Mole.

Auf der ursprünglich im Jahre 1883 eröffneten Hauptstrecke Emden - Jever, die in Norden in Richtung Dornum abzweigt, fuhr hinter Norden 1983 der letzte planmäßige Personenzug. Seit 1987 sind zwischen Norden und Dornum nur an Sommerwochenenden noch Züge der "Museumseisenbahn Küstenbahn Ostfriesland (MKO)" auf der von den anliegenden Gemeinden gepachteten Strecke unterwegs. Zwischen Dornum und Esens ist dies Strecke seit 1985 gänzlich stillgelegt und die Schienen wurden für den Bau eines Radweges 1986 abgebaut. Zwischen Esens und Sande verkehren hingegen noch regelmäßig Regionalzüge der NordWestBahn auf ihrer Fahrt nach Wilhelmshaven.

Der Wiederaufbau der Strecke zwischen Dornum und Esens wird hin und wieder von regionalen Stellen diskutiert - zuletzt im Zuge der Planungen für den JadeWeser-Containerhafen. Problematisch ist, dass der alte Bahnhof Esens abgerissen wurde und die Trasse in Esens mittlerweile überbaut ist.



Derzeitiges Ende der Ostfriesischen Küstenbahn im Bahnhof Dornum...


Ehemalige Stichstrecken der ostfriesischen Küstenbahn  zur Anbindung der ostfriesischen Inseln

Die Strecken zum Emdener Außenhafen und nach Norddeich Mole sind heute die einzigen beiden Schienenanbindungen zum Fährverkehr auf die ostfriesischen Inseln. Zu den Anlegern der Schiffe auf die Inseln Wangerooge und Langeoog gab es aber auch mal Bahnverkehre. Diese möchten wir im Folgenden vorstellen - heute wären eine Wiederinbetriebnahme sicher eine Alternative zum überbordenden Autoverkehr, der besonders in der Sommersaison die Straßen Ostfrieslands füllt. (Eine Übersichtskarte finden Sie am Ende dieser Seite)


Zur Insel Wangerooge: Bahnstrecke Jever - Harle(siel)

Zwischen dem Bahnhof Jever an der Ostfriesischen Küstenbahn und dem direkt am Fährhafen Harlesiel gelegenen Bahnhof Harle gab es zwischen 1890 und 1989 eine Bahnstrecke. Die Verbindung wurde von der Bevölkerung auch als "Tidenbahn" bezeichnet, da sich die Fahrzeiten an den Gezeiten (der "Tide") orientierte. Aus einem einfachen Grund: Die von Harlesiel auf die Insel Wangerooge übersetzenden Schiffe verkehren nämlich in einer Fahrrinne, deren Wasserstand gezeitenabhängig ist. Somit verändert sich der Fahrplan der Schiffe täglich. Da die Eisenbahnverbindung von Sande über Jever bis Harle fast ausschließlich der Anbindung des Fährhafen diente, richtete sich der Fahrplan natürlich auch nach den Gezeiten.

Der erste Streckenabschnitt zwischen Jever und Carolinensiel wurde am 1. September 1888 freigegeben, zum 1. Juli 1890 wurde die Verlängerungsstrecke zwischen Carolinensiel und Harle eröffnet. Der Plan für den Bahnbau ging auf Bemühungen des Landes Oldenburg zurück - man wollte mehr Badegäste auf die Insel Wangerooge locken. Das Land organisierte auch den Bahnbetrieb. Finanziert wurde der Bau der Strecke jedoch durch eine lokale Eisenbahngesellschaft mit Geldern eines Frankfurter Bankhauses.
Doch der Betrieb auf der Strecke war von Anfang an verlustreich, sodass das Land Oldenburg die Strecke zum 1897 übernehmen musste. An der mangelnden Wirtschaftlichkeit der Strecke änderte sich jedoch in den folgenden Jahrzehnten nichts: Mitte der 1960er Jahren - der Autoverkehr hatte in den Zeiten des Wirtschaftswunder wesentlich an Bedeutung gewonnen - entschied man sich, den Zugbetrieb nur noch während der Sommersaison aufrecht zu erhalten.

Im Jahre 1981 wurde der Verkehr schließlich insoweit weiter ausgedünnt, dass nur noch zu An- und Abreisetagen der Wangerooger Vermieter und zu für den Ausflugsverkehr bedeutsamen Zeiten Züge verkehrten. Am 28. Mai 1988 endete schließlich der zuletzt mit Schienenbussen durchgeführte Betrieb auf der Strecke. Lediglich Güter- und Sonderverkehre wurden bis zum Herbst 1989 durchgeführt.Bereits zum Jahreswechsel wurde mit dem Abbau der Strecke begonnen. Die Trasse wird heute als Radweg genutzt, die ehemaligen Bahnhofsgebäude sind aber noch vorhanden.

Die Deutsche Bahn AG ist heute Betreiberin des Fährverkehrs zwischen Harlesiel und Wangerooge sowie der Inselbahn auf Wangerooge. Der Fähr- und Inselbahnbetrieb ist trotzdem nur teilweise in den Bahntarif integriert (Ländertickets oder gar die BahnCard 100 gelten nicht). Sicher würden viele Besucher Wangerooges das Auto stehen lassen, wenn sie direkt von ihrem Wohnort bis Harlesiel mit der Bahn fahren könnte (die Verbindungen heute sind sehr langsam und erfordern oftmaliges Umsteigen mit Gepäck - allein von Bremen muss mindestens fünfmal umgestiegen werden, bevor der Urlaubsort Wangerooge erreicht wird. Würde die Bahnstrecke zwischen Jever und Harle(siel) wieder in Betrieb genommen werden, wären durchgehende Züge oder Kurswagen wie nach Norddeich und Dagebüll Mole bis zum Fähranleger möglich.


Zur Insel Langeoog: Esens - Bensersiel (Kreisbahn Aurich "Jan Klein")

Die Geschichte der Kreisbahnen Aurich beginnt mit dem 1899 eröffneten Streckenabschnitt zwischen Wittmund und Aurich und endet im Jahre 1969 mit dem letzten Güterzug. Zwischen Esens und Bensersiel verkehrten Züge auf der schmaleren Meterspurweite zuerst im Dampf- und später im Dieselbetrieb. Die Strecke kreuzte südlich des Bahnhofs Esens ("Staatsbahnhof" genannt) die Ostfriesische Küstenbahn, führte durch Esens und hielt nochmal am "Kleinbahnhof" in der Innenstadt und führte bis zum Fähranleger Bensersiel. Von hier war eine Überfahrt mit der Fähre zur Insel Langeoog möglich. Am Fähranleger auf der Insel wurden die Urlauber von der (noch im Betrieb befindlichen) Inselbahn Langeoog abgeholt.

Der ehemalige Kreisbahnbetrieb ist heute für den Busverkehr in der Region zuständig. Die Trassen der Kleinbahn wurde als "Ostfrieslandwanderweg" in den 1970er Jahren überbaut. Auf der ehemaligen Trasse könnte heute eine Bahnstrecke in Normalspurweite (1435 mm) wiederentstehen und somit könnten die Züge der NordWestBahn, die derzeit in Esens enden, bis zum Fährhafen Bensersiel weiterverkehren (teilweise ist die historische Strecke aber mit Gebäuden bebaut, sodass eine leicht abweichende Streckenführung durch Esens notwendig wäre). Ein zeitraubender (und mit Gepäck umständlicher) Umstieg auf den Bus in Esens wäre dann nicht mehr notwendig. Dies würde nicht nur einen enormen Zeitvorteil bringen, sondern würde die Anreise auch erheblich erleichtern. Auch hier wären umsteigefreie Verbindungen bis an den Fähranleger möglich. Fährverkehr und Inselbahn Langeoog sind allerdings in privater Hand, hier müsste geklärt werden, inweit eine einheitliche Tarifierung möglich wäre.

Machbarkeitsideen zur Reaktivierung der Schienenverbindung Esens - Bensersiel wurden in der Vergangenheit häufig geäußert. Eine > im Internet veröffentlichte Studie schlägt einen Straßenbahnbetrieb zwischen dem Bahnhof Esens und Bensersiel vor - dies würde allerdings einen Umstieg (wie heute auf den Bus) erforderlich machen. Die Studie geht von 15 Millionen Euro Baukosten aus.
Im Vergleich zu Wangerooge ist der Fährverkehr nach Langeoog gezeitenunabhängig, sodass der Bahnverkehr nach einem festen Fahrplan möglich ist und deutlich attraktiver zu gestalten wäre. Insofern ist eine wirtschaftliche Machbarkeitsprognose realistisch.

Bilder von der Ostfriesischen Küstenbahn (2014):


Bahnübergang bei Dornum


Ausfahrt aus dem Bahnhof Dornum


Bahnsteig des Endbahnhof Dornum


ebenda


ebenda


Stationsgebäude in Dornum


Endpunkt am Bahnhof Dornum an der Güterverladung